Warum muss man Bauwerke, Aufgaben und Teams ganzheitlich betrachten?

Lasst uns diese Herausforderung einmal völlig losgelöst von BIM und Lean Construction betrachten. Die Baumeister vieler vergangener Epochen standen ebenfalls vor diesen Herausforderungen. Der Zeitraum, in dem wir Computer und Software zur Unterstützung nutzen können, ist verschwindet klein. Bauwerke und deren Baugruppen, Bauteile und Bauelemente sind heute technischer und deshalb auf eine andere Art und Weise komplexer und uns stehen jetzt Computer und Software als technische Hilfsmittel zur Verfügung. Warum sollten wir also die technologischen Errungenschaften nicht nutzen. Es stellt sich dann aber die Frage, ob wir das Potential ausschöpfen und anwenden und ob uns die notwendigen digitalen Werkzeuge bereitstehen.

In großen Bauprojekten haben wir tausende Aufgaben. Die Zahl kann leicht in den 6stelligen Bereich gehen. Jedes geplante, verbaute, gewartete und entsorgte Bauteil ist mit einer Aufgabe verbunden, die durch jeweils ein anderes Teammitglied in der jeweiligen Phase erledigt werden muss. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber man muss es sich immer wieder vor Augen führen.

Unterschiedliche Bauteile werden zu Baugruppen zusammengesetzt. Das jeweils dafür zuständige Team hat die unterschiedlichen Aufgaben in einer bestimmten Reihenfolge auszuführen. Die Kette der Aufgaben lässt sich als Sequenz unter einem Meilenstein zusammenfassen. Sollte diese Sequenz bei der Erstellung des Bauwerks öfter genutzt werden, können wir diese Sequenz für eine Taktplanung nutzen. Aus dieser Erkenntnis resultiert, dass die Taktplanung ein Sonderfall ist. In einer digitalen modellbasierten Planung kann man die Konstellation der Bauteile kopieren. Wobei aber bei jeder Kopie neue Objekte entstehen. Auch diese Erkenntnisse sind nicht neu.

Jedes Bauteil, alle damit verbundenen Aufgaben und alle jeweils dazu gehörenden ausführende Teammitglieder, wird kontinuierlich mit diesen Informationen erweitert. In großen Bauwerke sind es unzählige aber von der Zahl begrenzte Bauteile, Aufgaben und ausführende Teammitglieder. Die dabei entstehende Datenmenge wächst kontinuierlich an. Je größer ein Bauwerk ist, desto größer war früher die Zahl der Aktenordner, desto schwieriger war es Informationen über einzelne Bauteile und deren Werdegang zu erhalten.

Autos, die in einer Fabrik am Fließband gefertigt wird, können unabhängig von Wettereinflüssen und Tageszeiten im Schichtbetrieb gefertigt werden. Bauwerke werden ortsabhängig errichtet und unterliegen unterschiedlichen Wettereinflüssen. Ebenso ist dort ein Schichtbetrieb in der Regel nicht möglich. Die verschiedenen Einflussfaktoren haben Auswirkungen auf die Produktivität, die Fertigstellungszeiten und die Kosten. Daraus resultiert, dass die Teams agiler, transparenter und kooperativer zusammenarbeiten müssen. Die von den Projektleitern aufgestellten Einsatzpläne stehen täglich auf dem Prüfstand und müssen jederzeit effizient angepasst werden können. Eine Ansage von oben nach unten ist nicht mehr zeitgemäß.

Alle reden von Industrie 4.0. Die digitale Unterstützung soll in allen Arbeitsbereichen Einzug halten und bei der Steigerung der Produktivität unterstützen. Gleichzeitig sollen intelligente digitale Werkezeuge, die Teams und die Teamleiter unterstützen und entlasten. Gleichzeitig kann durch eine veränderte Zusammenarbeit die Zufriedenheit und das Miteinander aller Teammitglieder positiv verändert werden. Mitmachen kann jeder. Keiner wird ausgeschlossen. Ausschließen kann man sich nur selbst. Ich habe bereits Industrie 1.0, 2.0 und 3.0 aktiv begleitet. In der Stufe 4.0 soll auch der Letzte den Sprung in die digitale Welt schaffen. Den Anwendern kann man raten, endlich von den Leveln 1.0, 2.0 und 3.0 auf den Level 4.0 zu gehen. Jeder darf gern einmal selbst, seinen eigenen Status Quo analysieren und sich anschließend aufraffen und handeln.

Es stellt sich dann aber die Frage, ob unsere Softwarehersteller und deren digitalen Werkzeuge wirklich diesen Sprung ermöglichen oder ob die Anwender, die es gern möchten, immer noch an den vielen ungelösten Problemen in der digitalen Kette scheitern. Erst wenn der letzte Aktenordner, die unnötigen Telefonate oder die E-Mail-Flut verschwunden sind, haben die Softwareentwickler ihren Beitrag zum Thema Industrie 4.0 geleistet. Industrie N.0 lässt grüßen. Ich schaue mir die Entwicklung seit über 30 Jahren an und hatte in den letzten 5 Jahren die Zeit dafür, die Entwicklungen in den Bereichen BIM und Lean Construction intensiv zu analysieren. Es ist noch einiges zu tun. Legt endlich los und verbessert die Situation eurer Anwender. Sollte sich jemand ungerecht behandelt fühlen, könnt ihr gern zu mir Kontakt aufnehmen. Es wird mir eine Freude bereiten, eure Software zu analysieren.

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