Die Utopie des digitalen Zwillings

In Zusammenhang mit BIM wird in den Beiträgen oft vom digitalen Zwilling gesprochen. Der digitale Zwilling ist der Idealzustand, den wir erreichen wollen. Im Detail könnte ich einen ganzes Buch über den aktuellen technologischen digitalen Zustand schreiben. Mir geht es in meinem Artikel aber nur um die grundsätzliche Frage, ob der digitale Zwilling momentan noch Utopie ist oder schon gelebte Realität.

Ich beginne meinen Beitrag mit einem Zitat aus Wikipedia: Ein digitaler Zwilling ist eine digitale Repräsentanz eines materiellen oder immateriellen Objekts oder Prozesses aus der realen Welt in der digitalen Welt. Es ist unerheblich, ob das Gegenstück in der realen Welt bereits existiert oder zukünftig erst existieren wird. Digitale Zwillinge ermöglichen einen übergreifenden Datenaustausch. Sie sind mehr als reine Daten und bestehen aus Modellen des repräsentierten Objekts oder Prozesses und können daneben Simulationen, Algorithmen und Services enthalten, die Eigenschaften oder Verhalten des repräsentierten Objekts oder Prozesses beschreiben, beeinflussen, oder Dienste darüber anbieten.

In der realen Welt werden Gebäude, Bauwerke und Infrastrukturen schon lange entwickelt, geplant, erstellt, genutzt und am Ende je nach Epoche verlassen, verfallen gelassen, zerstört, abgerissen, wiederaufbereitet oder entsorgt. Mit dem Beginn der Digitalisierung haben wir angefangen, nach und nach in allen Phasen Computer und Software einzusetzen. Jeder hat sich bemüht, seinen Arbeitsplatz und sein Umfeld so zu gestalten, dass möglichst viele Prozesse und Aufgaben digital unterstützt werden. Die Ergebnisse wurden ausgedruckt und per Post verschickt oder in Akten abgelegt. Im nächsten Schritt haben wir die ersten Alternativen zum Papier entwickelt und haben unsere Vorgänger in der Prozesskette gefragt, ob sie uns Daten in digitaler Form geben können. Auch unsere Nachfolger in der Prozesskette haben uns um digitale Daten gebeten. Usw. Ein Teil von ihnen kennt noch diese Vorgehensweise. Die Mehrzahl von Ihnen hat auch die Weiterentwicklung live miterlebt. Um meinen Text nicht unnötig zu verlängern, springe ich jetzt in die Gegenwart.

In der aktuellen Digitalisierung 4.0 arbeiten wir in einer digital vernetzten Welt. Die Leistungsfähigkeit der aktuellen Computersysteme, die Möglichkeiten in der Cloud und in der modernen Softwareentwicklung bieten uns die Möglichkeit, in der Bauindustrie, den digitalen Zwilling tatsächlich zu realisieren. Aus der Utopie kann Wirklichkeit werden. Viele von Ihnen möchten jetzt lieber von mir die Formulierung „Aus der Utopie ist Wirklichkeit geworden“ hören. Wenn Sie sich aber den Beitrag aus Wikipedia durchlesen, müssen Sie sich die Frage stellen, ob wir wirklich schon das Ziel erreicht haben. Viele von Ihnen haben ihren eigenen Arbeitsplatz noch digitaler und effizienter gestaltet. Aber in der digitalen Zusammenarbeit zeigen sich immer noch erhebliche Probleme. Die Mehrzahl der in den letzten Jahren entstandenen Plattformen in der Cloud, werden nicht intensiv genutzt. Sie alle konkurrieren um die Anwender und bilden immer nur ein Teil der Prozesse ab. Jeder Softwarehersteller und Betreiber versucht sich irgendwie vom Wettbewerb abzugrenzen. Viele der Strategien halte ich leider persönlich für unzureichend. Die Definition des digitalen Zwillings ist eindeutig.

In den vergangenen Jahren habe ich viele Kommentare von enttäuschten digitalen Anwendern in den sozialen Netzwerken gelesen. Auf meine eigenen Beiträge habe ich viele digitale Zuschriften erhalten. Ich bin einmal gespannt, ob es irgendwann einmal eine digitale durchgängige Lösung geben wird, die der Definition des digitalen Zwillings wirklich gerecht wird.

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