Brauchen wir beim Building Information Modeling Schwarmintelligenz?

Mir geht es um die Frage, warum BIM trotz aller Bemühungen bisher nicht flächendeckend eingesetzt wird, obwohl jeder weiß, dass der Einsatz von BIM sinnvoll ist. Was hindert viele an der Einführung von BIM? Warum kommen diejenigen, die BIM eingeführt haben, ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter? Warum resignieren einzelne Gruppen von Anwendern aus der Bauindustrie?

Menschen neigen immer leicht dazu, anderen Menschen die Schuld an Problemen zu geben. Schuldzuweisungen sind ein leicht einsetzbares Werkzeug, um entweder vom eigenen Unwissen oder nicht erklärbaren oder nicht lösbaren Dingen abzulenken. Schuldzuweisungen lösen aber nicht die Probleme, die wir bei BIM haben.

Viele kluge Köpfe haben im Laufe der Jahrhunderte die Natur beobachtet und haben mathematische Formeln entwickelt, deren Gültigkeit bis heute hat und auch in Zukunft Bestand haben wird. Selbst nicht erklärbare Dinge lassen sich mit Hilfe der Chaostheorie annähernd berechnen. Aber hilft uns der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings bei der Bewältigung der Probleme, die wir mir mit BIM haben weiter?

Ohne unsere digitalen Errungenschaften würde es BIM nicht geben. Unsere digitale Welt wird von Menschen erschaffen. In vielen Bereichen sind wir gerade dabei, über den Einsatz von künstlicher Intelligenz nachzudenken. Mit Sicherheit ist auch schon jemand auf die Idee gekommen, künstliche Intelligenz in der Bauindustrie einzusetzen. Künstliche Intelligenz benötigt viele Daten, um zu lernen. Wenn wir davon ausgehen, das BIM noch nicht auf dem Stand ist, den wir gerne hätten, fehlt der künstlichen Intelligenz die Basis von vielen komplett digital umgesetzten BIM-Projekten, um uns in der momentanen Lage zu unterstützen.

Ohne die Ideen der Menschen würde es keine Digitalisierung geben. Ohne Digitalisierung würde es BIM nicht geben. Wie immer im Leben ist der anscheinend der Mensch das Problem und nicht die Technik. Der Mensch hat durch seine Beobachtungen der Natur viele sinnvolle Dinge für die Erstellung von Bauwerken abgeschaut. Kommen wir bei der Lösung unseres Problems auch weiter, wenn wir uns jetzt wieder das Verhalten von Lebewesen in der Natur nutzbar machen? Ist eventuell Schwarmintelligenz ein geeigneter Lösungsansatz?

Die Schwarmintelligenz in der Tierwelt wurde bereits erforscht und es kommen immer wieder neue Aspekte hinzu. Eines der Erkenntnisse ist, wann und warum sich eine große Gruppe von Tieren so verhalten, wie sie sich verhalten. Ein Namensvetter von mir hat herausgefunden, dass 5% eine kritische Menge sind. Wenn sich 5% der Fische eines Schwarms sich plötzlich in die gleiche Richtung bewegen, folgt ihnen automatisch der Schwarm. Wenn es weniger sind, reagieren die anderen nicht.

Menschen sind entweder BIM-Anwender oder BIM-Produzenten. Da BIM eine digitale Errungenschaft ist, kommen die BIM-Anwender erst ins Spiel, wenn die digitalen Voraussetzungen geschaffen sind. Deshalb betrachte ich in erster Linie die Gruppe der BIM-Produzenten mit den Softwareherstellern, Beratern, Distributoren, Resellern, Dozenten und alle die noch dazu gehören.

Um BIM sinnvoll umzusetzen, ist eine große Gruppe von BIM-Produzenten mit einem breit gefächerten Fachwissen notwendig. Nehmen wir einmal an, dass sich alle Beteiligten in einem großen Schwarm befinden. Da wir es bisher nicht geschafft haben, alle Anwender in einer großen Gemeinschaft zu bündeln, fehlt dem Schwarm der BIM-Produzenten der Angreifer. Wenn ein Angreifer fehlt, sieht der Schwarm nicht ein, warum er sich formieren muss. Der Schwarm befindet sich im begrenzten Raum der Bauindustrie und schwimmt ungeordnet umher. Hin und wieder kollidieren einige Protagonisten. Nehmen wir einmal an, dass sich alle BIM-Anwender sinnvoll formieren könnten und auf die BIM-Produzenten zuschwimmen würden. Würden mindestens 5% der Mitarbeiter der BIM-Produzenten es gemeinsam schaffen und in die gleiche Richtung schwimmen? Wollen sie es überhaupt? Sind die BIM-Produzenten überhaupt in der Lage, sich zu formieren? Ich gehe momentan davon aus, dass jeder Softwarehersteller nach wie vor versucht allein sein Heil in der Flucht zu suchen und dabei seine Wettbewerber nicht beobachten wird.

Ich gebe ja zu, dass meine Betrachtung etwas Frustrierendes hat. Da es weder die Gruppe der Anwender noch die Gruppe der Softwarehersteller schafft, sich sinnvoll ohne Vorurteile und Schuldzuweisungen zu verbünden, müssen wir erst einmal weiter mit den Unzulänglichkeiten bei der Digitalisierung in der Bauindustrie leben. Ich selbst habe mir schon vor einigen Jahren die Fragen gestellt „Müssen wir mit der Situation leben?“ oder besser noch „Was können wir ändern?“ Eine sinnvolle disruptive Idee hätte ich schon. Zur Umsetzung benötigt es aber einen BIM-Produzenten-Schwarm.

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