BIM – Quo Vadis?

Manchmal erhoffen wir uns mit einem Blick in eine Glaskugel die Antwort auf die Frage zu finden. Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Das ist es leider nicht.

Über die BIM-Methodik selbst muss ich eigentlich nicht berichten. Deutschland ist ein digital rückständiges Land. Es gibt viele Nationen weltweit, die mit der Digitalisierung schon weiter sind als wir. Meine Artikel in den sozialen Netzwerken veröffentlich ich nur in Communities, die sich mit der Digitalisierung in der Bauindustrie auseinandersetzen. In den Communities wird bereits seit einigen Jahren über BIM diskutiert.

Die deutschen Anwender teilen sich in unterschiedliche Gruppen auf. Es gibt die BIM-Profis, BIM-Einsteiger mit Projekterfahrung, die Anwender, die immer noch in der Überlegungsphase sind und die Nichtanwender. BIM-Hasser sind eher selten. Die Nichtanwender haben ihre Entscheidung getroffen. Sie wollen aus unterschiedlichen Gründen nicht mit BIM arbeiten. Ich kann keine Aussage darüber treffen, wie groß die einzelnen Gruppen sind. Bei einem bin ich mir ziemlich sicher. Die echten BIM-Profis sind eine Minderheit.

Deutschland ist geprägt vom Mittelstand. Ein typisches mittelständiges Unternehmen nimmt an regionalen Bauprojekten teil. Die Mehrzahl der Architekten arbeitet in der Regel immer mit den gleichen Unternehmen erfolgreich über Jahre zusammen. BIM hat in der Gemeinschaft nur eine Chance, wenn sich alle dazu entschließen, gemeinsam alle Projekte mit BIM umzusetzen. So kommt es häufig vor, dass sich die Gruppe aus BIM-Einsteigern, unentschlossenen und Nichtanwendern zusammensetzt. Echte BIM-Projekte werden nicht umgesetzt und aus den BIM-Einsteigern werden keine Profis.

Wenn wir die Chance haben wollen, BIM flächendeckend erfolgreich umzusetzen und einzusetzen, müssen wir einen Weg finden, alle regionalen Gemeinschaften dabei zu unterstützen, den gemeinsamen Einstieg in die Digitalisierung. Um hier einen Schritt weiterzukommen, müssen wir uns fragen, warum es dauerhaft unentschlossene Unternehmer und konsequente Nichtanwender gibt.

Verhindert die gelebte BIM-Methodik den Einstieg in BIM?

Auf den ersten Blick ist es eine provokative Frage. BIM bietet viele Vorteile. BIM verbessert die Planung. BIM hilft dabei Sourcen zu schonen und einzusparen. BIM in Kombination mit Lean Construction sorgt für eine reibungslose Zusammenarbeit aller Teams in allen Bauphasen. Warum gelingt es den vielen engagierten BIM-Beratern nicht, alle Beteiligten in der Bauindustrie davon zu überzeugen, gemeinsam BIM einzusetzen? Ist es nur eine Frage der Zeit oder gibt es eventuell andere Gründe?

Die BIM-Methodik besteht für mich aus zwei unterschiedlichen Bereichen. Erstens gibt es die theoretische Beschreibung der Rahmenbedingungen und Prozesse. Zweitens die vielen Softwareprodukte, die wir zur Bewältigung der Aufgaben einsetzten. BIM geht nicht ohne Software.

Deutschland neigt dazu, alle Rahmenbedingungen und Prozesse akribisch bis ins kleinste Detail zu beschreiben. Einerseits ist es sinnvoll. Anderseits entsteht dadurch bei den potenziellen Anwendern der Eindruck, dass erst alle Rahmenbedingungen und Prozesse 100%tig beschrieben und fixiert werden müssen, bevor es losgehen kann. Viele warten irgendwie das die obersten politischen oder andere verantwortliche Gremien das Signal geben, dass das BIM-Regelwerk für Deutschland komplett fertig ist. Wir haben es in vielen Bereichen unseres Lebens gesehen. Unser öffentliches Führungspersonal ist nicht entscheidungsfreudig und schiebt lieber alles auf die lange Bank.

Nun müssen alle detailliert beschriebenen Dinge des BIM-Regelwerks in Software verpackt werden. Bei der Formulierung dieses Satzes konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Ich arbeite seit über 30 Jahren mit vielen Softwareherstellern in unterschiedlichen Positionen zusammen. Die Zahl der Anbieter, die Software für BIM entwickeln, ist unüberschaubar. In den einzelnen Fachbereichen wie zum Beispiel CAD gibt es seit Jahren teils erbitterte Konkurrenzkämpfe um Marktanteile. Es gibt aktuell keinen Softwarehersteller, der in der Lage ist, alle notwendigen Bereiche komplett mit Software abzubilden. Für die Bearbeitung der BIM-Projekte benötigen wir aber über alle Phasen hinweg eine barrierefreie digitale Prozesskette. Die Leser dieses Artikels sind überwiegend BIM-Einsteiger oder BIM-Profis. Sie alle kennen die digitalen Schwachstellen in der Zusammenarbeit mit anderen.

Ich habe mir in den letzten Jahren die Mühe gemacht, fast alle Punkte zu identifizieren, die den Anwendern die Arbeit erschweren. Nur wenn es uns gelingt, diese Knackpunkte zu beseitigen, haben wir vielleicht eine Chance, die dauerhaft Unentschlossenen und die Nichtanwender zu überzeugen. Dann stellt sich nicht mehr die Frage nach dem Quo Vadis.

Epilog

Wer mich kennt, der weiß, dass ich digitale Ansätze konsequent verfolge und mir weitere Schritte überlege. Wer mich nicht kennt und eine Frage hat, kann sich gern zu mir über die sozialen Netzwerke in Kontakt treten. Um eine barrierefreie digitale BIM-Lösung zu entwickeln, reicht es nicht aus, dass wir auf der Basis bestehender Lösungen weiterdenken. Alle Innovationen, die daraus entstehen, werden uns dem Ziel nicht näher bringen. Auf innovativ kann nur disruptiv folgen. Komplexe disruptive Lösungen müssen erst entwickelt werden, bevor man diese potenziellen Anwendern von ihrer Sinnhaftigkeit überzeugen kann. Der Mehrzahl der kleinen und mittelgroßen Softwareherstellern verfügen nicht über das notwendige Kapital und das notwendige Wissen. Die Entscheidungsträger der großen Softwarehersteller im BIM-Segment haben stets ihre Aktienkurse im Blick und trauen sich wenn und überhaupt nur an innovative Lösungen heran. Die Gefahr wäre auch zu groß, dass sinnvolle disruptive Ansätze irgendwo in den organisatorischen Strukturen aus innenpolitischen Gründen in irgendwelchen Schubladen verschwinden. Für die ganz großen Softwarekonzerne ist BIM leider kein Thema.

Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht ergibt sich ja spontan doch einmal eine Gelegenheit, dass wir eine BIM-Lösung produzieren, die auch diejenigen begeistert, die wir bisher nicht für BIM gewinnen konnten.

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